Viele Verlagsunternehmen stehen heute vor großen Mengen an unstrukturiertem Content (Freitext), der nicht weiter verarbeitet und kommerzialisiert werden kann. So verfügt etwa der Monopol Verlag mit mehr als 30.000 Musikrezensionen über ein brachliegendes und stetig wachsendes Gedächtnis der österreichischen Musiklandschaft. Und der ÖGB Verlag verfügt über einen erschöpfenden Dokumentenbestand zu arbeitsrechtlichen Fragestellungen und juristischen Textsorten. Was beide Unternehmen gemeinsam haben, ist, dass die existierenden Daten in ihrer aktuellen Form kaum automatisiert und weiterverarbeitet werden können. Gründe dafür sind fehlende Technologien und die dazugehörige Expertise.

Seit etwa 2010 wurden sowohl in der automatisierten Verarbeitung von Content (Content Curation) als auch in der Entwicklung von Standards für die automatische Syndizierung und Integration von strukturierten Daten (Dynamic Semantic Publishing) große Fortschritte erzielt. Diese als Linked Data Technologien bekannten Standards und Methoden halten nun schrittweise Einzug in die Redaktionssysteme und Verwertungsstrategien Content-verarbeitender Unternehmen. Auch branchenfremde Wettbewerber wie Google, Facebook, Amazon und Ebay drängen auf Basis dieser Technologien in traditionelle Tätigkeitsfelder der Verlagsbranche, was den Kosten- und Effizienzdruck in der Produktion und Verwertung von digitalem Content weiter erhöht. Gleichzeitig erweitern auf Linked Data basierende Syndizierungstechnologien, die von Google & Co. bereitgestellt werden (z.B. OpenGraph, SocialGraph, schema.org), die tradierten Vertriebskanäle und bieten Chancen für Diversifikation.

Verlagsunternehmen sind gezwungen auf die geänderten Umweltbedingungen zu reagieren und Strategien zu entwickeln, um in diesem hoch dynamischen Wettbewerbsumfeld konkurrenzfähig zu bleiben. Doch österreichische Verlagsunternehmen haben nur eine sehr beschränkte Kenntnis über die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten, die Linked Data für die Verbesserung von Produktionsworkflows, für die Generierung neuer Produkte und Dienstleistungen sowie die Erweiterung bestehender Geschäftsfelder bieten. Hinzu kommt, dass die aktuelle Generation von Linked Data Technologien vornehmlich für die Verarbeitung von englischsprachigem Content optimiert und nur beschränkt für die Bewirtschaftung von deutschsprachigem Content nutzbar ist.